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03.11.2016

Nettes Porträt zum DCUP 2016

Deutschland Cup 2016, vom 4. bis 6. November in Augsburg

Vor dem Deutschland Cup in Augsburg erschien ein nettes Porträt von mir in der Eishockey-News, das ich euch nicht vorenthalten möchte:

Den 18. Dezember 2013 wird Yasin Ehliz sicher nicht vergessen. Natürlich nicht. Schließlich war es ein ganz besonderer Tag des damals 19-Jährigen. Das erste Länderspiel in seiner Karriere in Essen gegen Lettland endete sogar mit einem 4:0-Erfolg. Ehliz weiß noch ganz genau wie er sich gefühlt hat und grinst: „Am Anfang habe ich schon ein wenig Kribbeln gespürt, aber nachher war es einfach nur ein tolles Gefühl, dabei sein zu können. Wenn man dann noch mit 4:0 vor den eigenen Fans gewinnt, dann ist das etwas, was ewig in Erinnerung bleiben wird.“ Klar.

Heute sieht Ehliz‘ Welt schon ganz anders aus. Der 23 Jahre alte Außenstürmer hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. 2014 und 2015 stand er im Aufgebot der Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Minsk und Prag. Für die Thomas Sabo Ice Tigers hat er insgesamt fast 280 Spiele bestritten. Schon mit 17 stand Ehliz erstmals für die Nürnberger auf dem Eis. Sein DEL-Debüt gab er am 28. Oktober 2010 beim 5:4-Sieg gegen die Iserlohn Roosters. In der Nationalmannschaft kommt er auf 34 Einsätze.

Angefangen hat alles in Bad Tölz, wo viele aktive Eishockey-Profis ihr Handwerk gelernt haben. In Tölz durchlief er die Jugendmannschaften des EC Bad Tölz und war von der U16 bis zur U20 fester Bestandteil der deutschen Nachwuchsauswahl. Klar, dass er noch heute viel Zeit in seiner Heimatstadt verbringt. „Von Nürnberg ist es ja nicht so weit, das ist schon ein Vorteil“, freut sich Ehliz, der zumeist mit Patrick Reimer und Steven Reinprecht die Paradereihe der Nürnberger bildet.

Und: Ehliz ist ein Exot, genauso wie sein Kumpel Sinan Akdag von den Adlern Mannheim. Ohnehin muss man beide in einem Atemzug nennen, wenn es um Eishockey geht. Schließlich sind sie doch die ersten Nationalspieler mit türkischer Abstammung. Wen wundert es da, dass die beiden sich bei der Nationalmannschaft auch ein Zimmer teilen.


Der Boulevard hat natürlich besonders Spaß an dieser durchaus verrückten Konstellation. Erst war es Akdag, der bei seiner ersten WM in Schweden als „Eis-Özil“ tituliert wurde, mittlerweile ist auch Ehliz „dran“. Den Spitznamen trägt er mit Humor. „Da muss ich lachen", sagt er und weiß daher ganz genau, dass er von manchen Medien immer mal wieder mit dem berühmten Fußball-Weltmeister in Verbindung gebracht wird. Der Vergleich mache ihn aber „auch stolz", verrät Ehliz und erklärt: „Özil ist im Fußball weltweit bekannt. Wir haben uns mal in München getroffen, das war ein netter Abend. Er ist total cool drauf.“

 

 

Kurios: Während sowohl am Bosporus als auch in Deutschland Fußball die unangefochtene Nummer eins in der Bevölkerung ist und auch hierzulande fast ausnahmslos alle Türken dem runden Leder hinterher jagen, findet Eishockey in der Türkei fast gar nicht statt. Etwa 800 aktive Eishockeyspieler gibt es in dem Land mit 75 Millionen Einwohnern – bei gerade einmal acht Eishallen. Ehliz und Kumpel Akdag unterstützen das Eishockey so gut es geht von Deutschland aus. Ein Treffen mit den Verbandsverantwortlichen hat es schon gegeben.


Ohnehin hat sich Ehliz nicht nur als Eishockey-Profi einen Namen gemacht. Der Stürmer setzt sich auch besonders für den Nachwuchs ein. 2015 startete erstmals der „Yasin-Ehilz-Cup“ in Bad Tölz. Alle Einnahmen kommen dem Nachwuchs zu Gute. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit. Ich weiß ja, wie es als junger Spieler ist. Da fehlt es oft an finanziellen Mitteln.“  Die Idee hatte sein Vater Abdullah, der sich mit Trainer Rick Böhm in Verbindung setzte und das Turnier aufzog. „Wenn man den Kindern eine Freude machen kann, helfe ich gern. Ich selber habe diese Turniere als Kind geliebt und noch heute Andenken davon.“


Apropos Familie: Auch beim diesjährigen Deutschland Cup wird Ehliz wieder von Familienmitgliedern auf der Tribüne unterstützt. Sein Schwager bietet den Fans mit seiner Firma „Crazy Company“ im Durchlauf des Curt-Frenzel-Stadions sogar Flockungen jeder Art an. „Am liebsten druckt er natürlich die Rückennummer 42“, lacht Ehliz und meint damit seine eigene Nummer.


Mit der Nationalmannschaft möchte er den Titel natürlich verteidigen. „Letztes Jahr haben uns die Fans hier in Augsburg zum Titel getragen. Das war schon klasse“, erinnert er sich, weiß aber auch, dass „es nicht einfach werden wird. Gerade die Kanadier haben auf dem Papier ein starkes Team“. Über eine gute Leistung will sich Ehliz dem Bundestrainer anbieten, die Heim-WM 2017 ist sein Ziel, nachdem er dieses Jahr für die WM in Russland wegen eines Handbruchs absagen musste.  „In Köln dabei sein zu können, wäre ein Traum.“


Und mit wem er sich dann ein Zimmer teilen würde, wüsste er bestimmt auch schon …

Dieser Artikel erschien am 31.10.2016 in der Sonderbeilage der Eishockey-News zum Deutschland Cup. Autor: Alexander Morel


 

 

dcup 2016 portrait citypress

 

Foto: City-Press

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